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Interview mit Johann Harer

Johann Harer spricht im Interview über die internationale Strahlkraft der „Medical City“ in Graz, Bud Spencer und was ihn fasziniert. Foto: Kanizaj

Seit acht Jahren steht Johann Harer an der Spitze des Humantechnologie-Clusters Human.technology Styria GmbH. Im Herbst übergibt er die Geschäftsführung und wechselt in den „Unruhestand“. Was er bis dahin noch vorhat, welches Abenteuer ihn lockt und auf welches Hobby er sich freut, erzählt er im Interview.

2022 verlassen Sie den HTS nach acht Jahren – mit welchem Gefühl?
Ich habe mit 67 ein Alter erreicht, in dem man sich wünscht, etwas kürzer treten zu können, also keine 50 bis 60 Wochenstunden mehr zu arbeiten. Es ist ein angenehmes Gefühl, wenn man weiß, dass man wieder Zeit für andere Dinge hat. Aber es tut mir auch weh, die vielen tollen Leute, die ich über die Jahre kennengelernt habe, nicht mehr so häufig treffen zu können. Ich habe mich in der Gesellschaft von klugen und tatkräftigen Personen immer wohlgefühlt und habe viele wertvolle Beziehungen aufgebaut. Deshalb ist der Abschied sowohl mit Freude als auch Wehmut verbunden.

Woran arbeiten Sie in den letzten Monaten Ihrer Tätigkeit beim HTS?
Ich möchte ein wohlgeordnetes Team und Arbeitsprogramm übergeben. Daher schaue ich, dass vereinbarte Ziele erreicht werden und setze, gemeinsam mit meiner Nachfolgerin Lejla Pock, die Jahresplanung mit den Schwerpunkten für das kommende Jahr auf. Zusätzlich gibt es noch einige spezielle Aufgaben, die mir am Herzen liegen: Ich plane im Oktober eine Delegationsreise nach London, um die Zusammenarbeit mit dem „Imperial College“, einer der weltweit führenden technischen Unis, mit denen wir seit 2019 in Kontakt sind, zu intensivieren. Außerdem will ich gemeinsam mit einigen HTS-Partnern ein Ausbildungsprogramm für Start-ups aufsetzen. Hintergrund ist, dass es im Medizintechnikbereich viele Regulatorien gibt, wo wir gezielte Aus- und Weiterbildungen für Forscherinnen und Forscher sowie Unternehmen schaffen wollen.

Was treibt Sie an?
Die Steiermark ist meine Heimat, und auch wenn es abgedroschen klingt – ich bin ein Steiermark-Fan. Zwar war ich viele Jahre im Ausland tätig, aber ich bin der Steiermark immer verbunden geblieben. HTS bot mir die Möglichkeit, etwas in der Region und für die Region zu machen. Ich wollte helfen, die in der Region vorhandenen Möglichkeiten und Kompetenzen international sichtbar zu machen und insbesondere junge Unternehmen unterstützen.

Was sehen Sie als Ihre größten Erfolge?
Wenn ich zurückschaue, sehe ich vor allem in meinem Privatleben zwei große Erfolge: Dass ich eine wunderbare Gattin habe, die ich seit 50 Jahren kenne und mit der ich seit 38 Jahren verheiratet bin. Und dass wir zwei wunderbare Kinder haben, die beruflich ihren Weg gemacht haben.
Bei HTS bin ich stolz, wie sich der Cluster im Lauf der letzten Jahre in puncto Mitgliederzahl und Themenvielfalt entwickelt hat. Emotional denke ich aber auch gerne an den Anfang der 1990er-Jahre bei der AVL Medizintechnik zurück, wo ich eine der erfolgreichsten Produktlinien mitentwickeln durfte.

Stichwort Karriereweg: Was waren eigentlich Ihre Pläne?
Ich wollte Mathematiker oder Naturwissenschaftler werden, doch 1973 hat man mir in der Berufsberatung gesagt, dass es in Österreich nur fünf Stellen für Mathematiker gebe und die würden Sterbetafeln bei Versicherungen berechnen. Das war dann doch nicht mein Wunsch-Berufsbild. Weil mein Vater in einer großen Firma für die Elektrotechnik verantwortlich war, bin ich schon von Kindesbeinen an mit diesem Thema aufgewachsen. Deshalb habe ich Elektrotechnik studiert und später auch noch ein Jusstudium angehängt. Aber vieles war nicht geplant, sondern hat sich durch Zufall ergeben.

Wie weit wird die Strategie 2025+ des HTS mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit heuer schon spürbar sein?
Wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen, meinen wir primär, wie wir auch in den kommenden Jahrzehnten, trotz einer alternden Gesellschaft und des prognostizierten Mangels an Pflegepersonal, unsere hochwertige Gesundheitsversorgung erhalten können. Dazu müssen wir meiner Meinung nach das Gesundheitssystem wesentlich effizienter gestalten und die vorhandenen Ressourcen besser nutzen. Wir müssten z. B. den stationären und den niedergelassenen Bereich besser vernetzen – siehe Entlassungsmanagement – oder telemedizinische Behandlungspfade für eine Erstkonsultation oder für die Betreuung von chronisch kranken Menschen ausweiten. Dies wäre sowohl für die Patientinnen und Patienten als auch für das System ein Vorteil.

Wie erholen Sie sich? Für welches Hobby haben Sie ab Herbst wieder mehr Zeit?
Ich bin begeisterter „Gartler“ und freue mich schon, dass ich mich bald mehr um meinen Garten kümmern kann. Außerdem will ich meine Golfschläger wieder vermehrt auspacken, die die letzten Jahre vor sich hin gerostet sind. Und ich habe außerdem noch einen kleinen Enkel, dem ich endlich ein paar „Dummheiten“ beibringen werde, die er nur von Opa lernen kann.

Was sehen Sie als Beitrag des HTS zum Klimaschutz?
Zum Thema Energie- und Ressourceneinsparungen setzen wir einzelne Projekte, wie z. B. die Reduktion von „medical waste“, gemeinsam mit dem Green Tech Cluster um. Fürs nächste Jahr wollen wir uns verstärkt der Optimierung von Logistikketten widmen. Darüber hinaus arbeiten unsere Pharma- und Biotech-Engineering-Firmen intensiv daran, wie sie Prozesse ressourceneffizienter gestalten können. Diese Projekte, die unsere Unternehmen und Gesundheitsanbieter aufstellen, besitzen eine große Hebelwirkung. Wir selbst als Clusterorganisation können nicht so viel bewegen, aber alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommen z. B. ein gefördertes Jahresticket für die Öffis und wir legen die meisten Wege mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurück. Auch Dienstreisen reduzieren wir soweit möglich.

Mit wem würden Sie gerne einmal einen Kaffee trinken?
Am liebsten trinke ich am Sonntagmorgen eine Tasse Kaffee mit meiner Frau im Garten. Aber mir fallen auch viele intelligente und nette Personen ein, mit denen es spannend wäre, sich zu treffen.

Was bringt Sie zum Lachen?
Ich lache gerne – vor allem wenn ich in Gesellschaft bin. Ich genieße angenehme Gesellschaft, kann aber auch bei Filmen herzlich lachen. Lachen fällt mir nicht schwer, es ist ja schließlich die beste Medizin.

Und welche Filme sind es, die Sie zum Lachen bringen?
Ich schaue gerne alte Schinken an, Bud Spencer zum Beispiel oder „Ein echter Wiener geht nicht unter“. Sonst lese ich gerne und viel – alle 14 Tage ein Buch. Früher war ich ein großer Fan der russischen Literatur, auch Sachbücher über Zukunftstrends fesseln mich. Zuletzt habe ich Richard David Precht und Sarah Wagenknecht gelesen.

Gibt es einen Ort, den Sie unbedingt einmal besuchen wollen?
Ich möchte einmal über den Dschungel-Trail nach Machu Picchu wandern. Ob ich das schaffe, ist die Frage, aber die Inka-Stadt fasziniert mich. Sonst ziehe ich es vor, in Europa zu bleiben, weil es hier so vieles gibt, was ich noch nicht gesehen habe.

Werden Sie die Entwicklung des HTS künftig weiterverfolgen?
Natürlich hoffe ich, dass mein jetziges Team mir weiterhin den Newsletter oder unser Clustermagazin „botenstoff“ zusendet und mich auch über die Veranstaltungen informiert. Aber ich werde sicher keine guten Ratschläge verteilen, denn es gibt ja ein gutes Team und eine gute Nachfolgerin.

Last but not least: Was ist Ihnen zum Abschluss noch wichtig?
Ich glaube, wir haben mit der „Medical City“, wie ich sie nennen würde, weil es ja hier nicht nur um Science, sondern auch die Wirtschaft geht, einen wahren Rohdiamanten. Das höre ich immer wieder, wenn internationale Partner zu uns kommen. Wir haben tolle Möglichkeiten vor Ort – von der Med Uni Graz bis zu den unterschiedlichen Firmen, von der Biobank bis zum LKH-Univ.-Klinikum Graz. Das ist ein großes Asset, das wir ausbauen sollten, mit dem ZWT als zentralem Angelpunkt. Mein Wunsch wäre es, noch enger zusammenzuarbeiten, damit neue Forschungsergebnisse auch als innovative Produkte auf den Markt kommen. Nutzen wir die guten Voraussetzungen für mehr internationale Strahlkraft!

 

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