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ZWT-Frühstück: Female Life Science Power

v.l. Anke Dettelbacher (ZWT), Katharina Weinzerl (HTS), Eva Sigl und Andrea Heinzle (Qualizyme), Marguerite Dunitz-Scheer (Notube), Barbara Eibinger-Miedl (Landesrätin), Caroline Schober-Trummler (Vizerektorin Med Uni Graz), Regina Roller-Wirnsberger (Med Uni Graz), Karin Schaupp (Unternehmensberaterin) |  Fotocredit: ZWT/Frankl

Egal ob für Start-ups oder Forscherinnen im Bereich der Life Sciences: Eine gute Zusammenarbeit zwischen Forschung und Wirtschaft ist eine essentielle Basis. Aber was heißt das in der Praxis? Welche Chancen, aber auch Herausforderungen, stellen sich dabei für Frauen? Antworten lieferte das ZWT-Frühstück am 16. Oktober 2019.

Das ZWT sieht sich als Plattform, die die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft stärken will. Dazu werden Vernetzungsveranstaltungen, wie das ZWT-Frühstück am 16. Oktober 2019 organisiert – gemeinsam mit dem Cluster Human.technology Styria. Forscherinnen und Unternehmerinnen aus dem Life-Science-Bereich gaben im neuen Bistro [das O] Einblick in aktuelle Projekte und Kooperationsmöglichkeiten und gingen auch auf die Chancen von Frauen im Life-Science-Bereich ein.

Eröffnet wurde die Netzwerkveranstaltung von Barbara Eibinger-Miedl (Landesrätin für Wirtschaft, Tourismus, Europa, Wissenschaft und Forschung), Caroline Schober-Trummler (Vizerektorin für Forschung und Internationales der Med Uni Graz) und Anke Dettelbacher (Geschäftsführung ZWT).

Barbara Eibinger-Miedl: „Frauen sind in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung in Führungspositionen unterrepräsentiert und generell zu wenig sichtbar. Deshalb ist es mir ein Anliegen, Frauen-Netzwerke zu stärken. Diese bieten die Möglichkeit sich auszutauschen und die Geschichten erfolgreicher Frauen bekannt zu machen, die als Vorbilder für andere dienen!“

Caroline Schober-Trummler: „Die erfolgreiche Entwicklung in den letzten 5 Jahren zeigt ganz deutlich: Das ZWT ist ein Erfolgsprojekt und das einzigartige Netzwerk zeigt seine Wirkung, wie man an der dynamischen Entwicklung der Mieter sieht. Auch bei den zahlreichen Veranstaltungen spürt man deutlich, dass die Vernetzung gelebte Praxis ist.“

Anke Dettelbacher: „ZWT und HTS haben gemeinsam dieses erste Frauen-Netzwerktreffen im ZWT organisiert, das auch der Bewusstseinsbildung dient. Es ist mir ein gesellschaftliches Anliegen, solche Veranstaltungen abzuhalten, solange es noch nicht selbstverständlich ist, dass Frauen Unternehmen gründen und leiten bzw. in Führungspositionen an Universitäten tätig sind.“

Selbstständigkeit als ideale Chance, um Familie und Karriere zu verbinden
Das im ZWT angesiedelte Start-up Qualizyme, das einen Wundinfektions-Schnelltest, entwickelt hat, wird von Eva Sigl und Andrea Heinzle geführt. Sigl ist Mutter von 4 und Heinzle von 3 Kindern. Eva Sigl „Für uns war und ist die Selbstständigkeit eigentlich die einzige Chance, Familie mit Karriere zu verbinden, weil es ein Maximum an Flexibilität ermöglicht. Diese Flexibilität geben wir auch an unsere Mitarbeiter weiter. Bei uns ist es selbstverständlich, dass auch die Männer in Karenz gehen. Und ich sehe es auch als großen Vorteil, dass wir zu zweit in der Geschäftsführung sind. 2 Personen haben immer mehr Kompetenzen als eine Person. Außerdem kann man sich auch zeitlich besser organisieren. Es muss aber auch die grundsätzliche Einstellung dahinter passen, man muss Dinge abgeben können.“ Das Start-up hat schon zahlreiche Preise gewonnen (u. a. die Auszeichnung als „Unternehmerinnen des Jahres“) und nun den Österreichischen Gründerpreis „Phönix“ in der Kategorie „Frauen“. „Vor 10 Jahren wurde man noch sehr skeptisch beäugt, wenn man als weibliche Gründerin aufgetreten ist. Es freut mich, dass sich das deutlich verbessert hat.“

Vom ZWT in alle Welt – Notube als Experte für frühkindliche Essstörungen
Auch Marguerite Dunitz-Scheer bestätigt: „Es gibt heute deutlich mehr Frauen in leitenden Positionen in der Medizinforschung und auch in Unternehmen als früher. Natürlich haben wir noch Luft nach oben, aber ich glaube, dass sich da – in Folge des Generationenwechsels – in den nächsten 20 Jahren noch viel tun wird.“ Dunitz-Scheer ist die ärztliche Leiterin des Ambulatoriums Notube (Esslernschule), einem Spin-off der Med Uni Graz, das sich auf die Therapie von Sondendependenz und Essstörungen bei Kleinkindern spezialisiert hat. Nach der Gründung war Notube im ZWT angesiedelt, „der Standort war großartig“, so Dunitz-Scheer. „Wir hatten noch keine Esslernschule, daher auch einen geringeren Platzbedarf, und die direkte Verbindung zum LKH-Univ. Klinikum Graz war ideal.“ Mittlerweile ist das Team von Notube deutlich gewachsen und betreibt ein eigenes Ambulatorium in der Lenaugasse in Graz. „Dort bieten wir 10-mal im Jahr 2-wöchige Intensivkurse für Familien mit essgestörten Kleinkindern an“. Außerdem führen wir eine Tele-Klinik, in welcher wir rund 100 Patienten jährlich zuhause und ausschließlich online bei der Sondenentwöhnung begleiten. Wir kommunizieren in Deutsch, Englisch und Französisch mehrmals täglich mit den Eltern und werten die Nährstoffeinnahme und das Verhalten der Kinder per Video aus“ Die Patienten von Notube kommen aus aller Welt, unter anderem sind die Ess-Trainer von Notube auch in Paris, Oklahoma City, Zürich, Tel Aviv, Berlin und Wien im Einsatz.

„Frauen dürfen durchaus mutiger sein“
Karin Schaupp ist als Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt Wissenstransfer und Strategieentwicklung im Life-Science-Bereich tätig und übt unter anderem diverse Aufsichtsratsfunktionen aus. Aus ihrer Sicht nimmt die Steiermark eine Vorreiterrolle ein, was die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft betrifft. „Es besteht hierzulande eine offene Kultur, die eine essenzielle Basis für die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist. Potenzial haben wir allerdings noch, wobei sich in den letzten Jahren auch hier eine positive Tendenz zeigt. Dass direkt am Universitätsgelände Standorte für Spinn-offs zur Verfügung stehen, so wie es im ZWT der Fall ist, fördert diese Entwicklung wesentlich.“ Und: „Ich will auch Frauen ermutigen, den Weg der Selbstständigkeit einzuschlagen, entsprechende Netzwerke aufzubauen und sich ‚ohne Einladung‘ ins Rampenlicht zu stellen.“

Europaweite Vernetzung für aktives und gesundes Altern
Ähnlich sieht das Regina Roller-Wirnsberger, die sich an der Med Uni Graz mit aktivem und gesundem Altern beschäftigt. „Es gibt zwar schon viele Best Practice Beispiele, was die Karriereförderung von Frauen in der Wissenschaft angeht. Aber gerade wenn man international tätig ist, so wie es bei mir der Fall ist, bedarf das mit Kindern schon sehr viel Organisationstalent. Und es liegt nicht immer nur an den Strukturen, aus meiner Sicht fokussieren sich Frauen oft zu stark auf den Inhalt. Sie leisten hervorragende Arbeit, reden aber zu wenig darüber bzw. könnten überzeugter auftreten. Männern fällt das ja meist weniger schwer.“

Im Fokus der Forschungstätigkeit von Roller-Wirnsberger steht die personalisierte Versorgung von älteren Menschen mit komplexen Behandlungsbedürfnissen. „Es geht uns darum, die Mobilität der Menschen so lange als möglich zu erhalten und die Zahl der gesunden Lebensjahre zu erhöhen. Immer stärker im Fokus steht dabei für uns die Vernetzung mit der Wirtschaft und die Kooperation über den klinischen Bereich hinaus“, verweist die Expertin auf die Projekte auf EU-Ebene, aber auch die Einbindung in die Netzwerke des ZWT und des steirischen Human Technologie Clusters, ebenso mit Regionen wie Bad Radkersburg.

„Wir haben schon auf EU-Ebene das Thema digitale Innovationen für aktives und gesundes Altern forciert und sind nun dabei, das auf steirische Ebene herunter zu brechen. Der enge Schulterschluss zwischen Wirtschaft, den Regionen und der Forschung ist hier unabdingbar und bietet große Chancen für alle Beteiligten“, so die Expertin.

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