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Tröpfchenweise Informationen

Für zahlreiche Menschen im ZWT und in seiner unmittelbaren Nachbarschaft ist Blut das „daily business“. Dadurch verändert sich auch der persönliche Zugang dieser Menschen zum „roten Lebenssaft“. (Credit: Thomas Jeindl)

Ursprung des Lebens, Nahrung für Vampire, Thema für die Kunst und Träger vieler wertvoller Informationen für die Medizin – unser Blut hat so einiges drauf. Ein Blick auf messbare Parameter und kulturelle Assoziationen.

Rund 5 bis 6 Liter Blut fließen durch unseren Körper. Bestehend aus Blutplasma, roten und weißen Blutkörperchen sowie Blutplättchen hat die Körperflüssigkeit lebensnotwendige Funktionen, transportiert sie doch auch Sauerstoff zu allen Zellen. Blut stand schon in früheren Zeiten für Lebenskraft. In der griechisch-antiken Mythologie glaubte man, der Mensch sei aus dem Blut der Götter geschaffen. Auf dem Verständnis des Blutes als Ursprung des Lebens basiert auch die Bedeutung der Farbe Rot als Symbol für Fruchtbarkeit und Leben. Vom „Blut Christi“ in der Eucharistie der katholischen Kirche bis zum Begriff des „blauen Blutes“ für den Adel begegnet man dem Thema Blut in der Kulturgeschichte immer wieder. Blut wird auch von Künstlern immer wieder in den Mittelpunkt gestellt – nicht immer so extrem wie beim österreichischen Aktionskünstler Hermann Nitsch, der mit seinen Schütt-Bildern viel Aufsehen erregt hat.

Während der Grad der zornigen Erregung über die blutigen Kunstwerke von Nitsch schwer zu beziffern ist, sind heute unzählige Parameter im Blut messbar. Durch ihre Analyse lassen sich Krankheiten erkennen und bekämpfen, Operationen und Genesungsprozesse besser steuern und Gesundheitsvorsorge betreiben.

Für Blutsauger und Forschung
Zum „daily business“ gehört das Blut nicht nur für Vampire, wie es uns Sagen, Romane und Hollywoodfilme weismachen wollen, sondern auch für einige Unternehmen, die im ZWT in Graz ihren Sitz haben. Mit den gierigen Blutsaugern haben sie aber so gar nichts gemein, denn für Forschung und Analyse reichen heute Tropfen oder sogar nur Tröpfchen an Blut als Menge schon aus. „Bei einer Blutabnahme entnimmt man ungefähr 20 Milliliter, also rund 4 Teelöffel voll. Bei der Aufbewahrung in der Biobank reichen aber bereits 200 bis 480 Mikroliter als Menge aus“, erklärt Karine Sargsyan von der Biobank der Med Uni Graz im ZWT. Bei den rund 1,5 Millionen gespeicherten Blutproben handelt es sich aber nur im seltensten Fall um Vollblut. Verwahrt werden verarbeitete Formen wie Plasma oder Serum.

Aber verändert die tägliche Arbeit mit Blut eigentlich die Wahrnehmung des „Lebenssaftes“? „Für unsere Mitarbeiter stimmt das sicher. Man schätzt eine Blutabnahme mehr, wenn man weiß, wie viele Informationen sich daraus gewinnen lassen“, sagt Sargsyan.

Messbarkeit – aber absolut unblutig – spielt auch beim Unternehmen Impress MedTech im ZWT eine Rolle: Das Startup hat ein Gerät entwickelt, mit dem der Blutdruck pro Herzschlag gemessen werden kann – direkt auf der Haut und ohne dass dazu ein eigener Katheter gelegt werden muss. „Während einer Operation ist eine Blutdruckmessung unerlässlich, denn bei der Operation wird der Blutdruck künstlich abgesenkt, damit es zu weniger Blutverlust kommt“, sagt Arnulf Heller vom Impress. Beim seinem neuen Verfahren wird mithilfe von Elektroden auf der Haut gemessen.

„Designerblut aus Graz“
Blut ist absolut unersetzlich – aber bleibt es das auch in Zukunft? An der Universitätsklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin der Med Uni Graz, in unmittelbarer Nachbarschaft des ZWT, wird an der künstlichen Herstellung von Blut geforscht. „Wir können heute im Labor biotechnologisch rote Blutkörperchen aus adulten und induzierbaren pluripotenten Stammzellen herstellen, welche mit den Erythrozyten in unserem Körper vergleichbar sind“, sagt die Medizinerin Isabel Dorn, die in der Arbeitsgruppe gemeinsam mit Universitätsprofessor Peter Schlenke und der Naturwissenschaftlerin Claudia Bernecker federführend tätig ist. Langfristiges Ziel sei es, dieses Blut aus dem Labor als Alternative zu Blutspenden für Transfusionen einzusetzen – vor allem für spezielle Patientengruppen wie hochimmunisierte Menschen oder solche mit sehr seltenen Blutgruppen. „Die größte wissenschaftliche Herausforderung ist, die biotechnologische Herstellung in einen klinischen Maßtab zu bringen und die Kosten zu senken“, so Dorn. Parallel dazu werden Sicherheit und Funktionalität genau unter die Lupe genommen. Die Vernetzung spielt für Dorn und ihr Team dabei eine große Rolle: Man arbeitet beim Thema Blut mit Forschungseinrichtungen in Paris, Munster und Hannover zusammen und auch in Graz wird gerade an neuen Kooperationen gefeilt.

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