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Interview mit Kurt Zatloukal

„Früher hielt ich Science-Fiction für Blödsinn, aber hier kann man unbegrenzt Ideen für die Zukunft entwickeln“, meint Kurt Zatloukal im Interview. © Lunghammer

Was der Leiter des ZWT-Mieters BBMRI.at an Science-Fiction schätzt und warum er seinem Berufswunsch aus der Kindheit auf gewisse Weise treu geblieben ist – Kurt Zatloukal im Gespräch über Kraftquellen, Teamwork und Brücken.

 

Was treibt Sie an?
Ich bin von meiner Ausbildung her Pathologe und meine Aufgabe in der Pathologie war es immer, neue Methoden aus unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen in der Medizin zu implementieren. Vor einigen Jahrzehnten war es die Zellbiologie, die wir als neue Methode genützt haben, um Krankheiten zu verstehen. Dann kamen die Molekularbiologie und die Genomik. Heute sind wir Vorreiter, indem wir Methoden der Künstlichen Intelligenz zur Analyse von großen Datenmengen für unterschiedliche Anwendungsbereiche der Medizin etablieren, um Krankheiten besser diagnostizieren und behandeln zu können. Das aktuell spannendste Thema ist für mich die Analyse von Daten aus Bildinformationen. In diesem Bereich sind wir Entwicklungspartnerschaften mit Scanner-Herstellern und den größten IT-Unternehmen eingegangen und haben modernste Technologien mitentwickelt. Durch diese interdisziplinären Arbeiten können wir zum Beispiel neue Bildinformationen aus Gewebeschnitten von Tumoren nützen und dadurch die Prognose eines Tumors besser bestimmen und die Therapie optimieren.

Generell finde ich die Verknüpfung zwischen unterschiedlichen Wissenschaftsgebieten und der Medizin faszinierend – denn ich kenne einerseits die Herausforderungen in der Medizin und kann durch meine langjährige Tätigkeit in EU-Forschungsinfrastrukturprogrammen gute Brücken zu anderen Wissenschaftsdisziplinen bauen, aus denen sich neue spannende Möglichkeiten ergeben.

Was war Ihr größter Erfolg?
Die größte Relevanz hatte sicher die Entwicklung des Konzeptes für eine Biobanken-Forschungsinfrastruktur für Europa. Das ist glücklicherweise gelungen, obwohl es anfangs eine Mission impossible zu sein schien. Die Herausforderung war es, ein Konzept zu entwickeln, das von einer großen Community akzeptiert wird, in der jeder andere Interessen hat. In Disziplinen wie der Physik oder Astronomie war Zusammenarbeit insbesondere wegen des Bedarfes an großen Forschungsinfrastrukturen schon früher akzeptiert, während in der Medizin lange konkurrierende Kleingruppen nebeneinander gearbeitet haben. Die Biobanken-Infrastruktur hat eine neue Kultur für kooperatives Forschen ermöglicht – und das hat die Forschungsmöglichkeiten enorm positiv beeinflusst. Wenn man das einmal erlebt, entwickelt man andere Strategien und versucht Probleme nicht mehr allein zu lösen, sondern sucht sich die besten Partner und löst sie gemeinsam.

Heute koordinieren Sie die den österreichischen Forschungsinfrastrukturknoten für Biobanken – was wollten Sie als Kind werden?
Mein Wunsch war es Entdecker zu werden. Ein Abenteurer, der unbekannte Bereiche unserer Erde sucht. Man kann sagen, das Bedürfnis neue Dinge zu entdecken, habe ich im Labor gefunden. So wurde ich zum Entdecker im Mikrokosmos.

Was haben Sie sich für das Jahr 2022 vorgenommen?
Mein Schwerpunkt ist es, zu zeigen, wie Investitionen in die Forschung einen Mehrwert für die Gesellschaft generieren – und zwar nicht nur am Papier, sondern durch Lösungen, die angewendet werden. Beispiele wie die Biobank und unser Hochsicherheitslabor beweisen das. Auch wenn zum Beispiel die Relevanz des Hochsicherheitslabors im Vorhinein nicht vorhersagbar war, weil es vor der Corona-Pandemie aufgebaut wurde. Diese Investition hat sich in dieser Zeit enorm ausgezahlt und mehrere Projekte gehen jetzt in die industrielle Umsetzung.

Was schätzen Sie an Ihrem Team am meisten?
Ich haben das große Glück, dass wir ein hochmotiviertes Team sind und ein sehr gutes Arbeitsklima haben. Das kann man nicht verordnen. Jeder und jede muss dazu beitragen wollen und sich mit der Aufgabe und dem Gesamterfolg des Teams identifizieren. Ich finde es schade, wenn gerade die Medien oft nur eine Person nach vorne stellen, obwohl der Erfolg meist ein Teamerfolg ist.

Wie erholen Sie sich? Wo schöpfen Sie Kraft?
Zeit mit meiner Familie ist mir sehr wichtig und gibt mir Rückhalt. Ich bin kein Stadtmensch. Graz ist toll, denn wir haben Top-Unis, eine Spitzenanbindung an die internationale Forschung und gleichzeitig viel Grün. Und ich schätze die Auseinandersetzung mit der Natur beim Segeln.

Was bringt Sie zum Lachen?
Hoppalas, die kleinen Missgeschicke des Alltags – man muss ja auch über sich selbst lachen können.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Mich begeistern naturwissenschaftliche Themen und auch Science-Fiction. Früher hielt ich Science-Fiction für Blödsinn, aber hier kann man unbegrenzt Ideen für die Zukunft entwickeln. Mich fasziniert zum Beispiel wie weit „2001: Odysee im Weltraum“ in die Zukunft geblickt hat. Es ist manchmal einfach herrlich, outside the box zu denken, ohne dass es um eine konkrete Realisierung geht.

Und wo wollen Sie unbedingt mal hin?
Mich interessieren alte Kulturen – an solche Orte zieht es mich. Und natürlich in die möglichst unberührte Natur.

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