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Am ZWT wird Hautpflege mit Mikroorganismen entwickelt

Im Projekt „TopBiotics“ arbeitet Forscherin Katrin Susanna Wallner am ZWT an Hautpflege mit lebenden Mikroorganismen. ©KK

Lebende Mikroorganismen in Hautpflegeprodukten könnten unser Hautmikrobiom, den natürlichen mikrobiellen Film auf unserer Haut, stärken und sogar Hauterkrankungen bekämpfen. Das ist das Ziel des aktuellen Projektes „TopBiotics“ von Grazer Wissenschaftler am ZWT, dem Zentrum für Wissens- und Technologietransfer in der Medizin.

Auf unserer Haut leben Mikroorganismen, die für die Gesundheit der Haut aber auch für unse-ren ganzen Körper und sein Immunsystem eine wichtige Rolle spielen. Denn dieses Mikrobiom muss im Gleichgewicht sein. Dabei könnten lebende Bakterien unterstützen, hat sich eine Grazer Wissenschaftlerin gedacht. Ausgangspunkt für Katrin Susanna Wallner war die Recherche zu probiotischen Bakterien und deren topischen Anwendungsformen, was bedeutet, dass diese nicht oral eingenommen, sondern äußerlich lokal aufgebracht werden. Studien zufolge können Bakterien nämlich nicht nur dem Darm Gutes tun, sondern auch Haut- und Schleimhaut des Menschen. Die aktuelle Forschung, die von der Grazerin initiiert wurde, verbindet dies: „Wir erarbeiten ein Verfahren für topische Anwendungen mit lebenden Mikroorganismen, das in verschiedene Produkte münden kann“, erklärt sie.

Kosmetika und Arzneimittel
Um möglichst schnell mit ersten Produkten zu starten, ist medizinische Hautpflege im Sinne eines Kosmetikums nun das erste Ziel. „Langfristig denken wir natürlich auch an die Entwicklung von Arzneimitteln“, sagt die studierte Zahnmedizinerin, deren Diplomarbeit im Fach Humanmedizin, die von Clemens Kittinger von der Hygiene am ZWT betreut wird, Teil dieser Forschungsarbeit ist.

Doch was ist die große Herausforderung? „Einerseits müssen wir den richtigen Bakterienstamm für den Einsatz finden und testen deshalb verschiedene bekannte Bakterien. Die Schwierigkeit besteht vor allem in der Haltbarmachung der Bakterien, denn schließlich sollen diese in der Creme überleben, schädliche Mikroorganismen aber natürlich nicht.“ Doch die herkömmlichen Konservierungsstoffe machen hier keinen Unterschied. Zusätzlich geht es Wallner und ihren Kollegen um den präklinischen Nachweis der Wirkung der Produkte. Hier wird deshalb parallel zur Entwicklung an der Med Uni Graz an humanen Zellen und Hautmodellen getestet.

Bakterien sollen sich ansiedeln
„Unser USP ist es, dass wir die lebenden Mikroorganismen in der medizinischen Hautpflege einsetzen und langfristig gesehen auch Arzneimittel entwickeln wollen“, erklärt Wallner. Studien zu topischen Anwendungen von Probiotika gibt es bereits, doch bisher noch kein Produkt am Markt. „Kleingehäckselte Bakterien in Pflegeprodukten findet man schon, doch diese können sich natürlich nicht mehr ansiedeln. Was wir daher anders machen, ist, dass wir die Mikroorganismen in der wässrigen Phase stabilisieren.“ Auf Interesse stößt die spannende Forschung aus Graz übrigens laufend – große Unternehmen haben bereits mit der Grazer Wissenschaftlerin Kontakt aufgenommen.

Start-up im ZWT Accelerator
Das im Rahmen des FFG-Basisprogramms und vom Inkubationsprogramm aws First Inkubator geförderte Projekt „TopBiotics“ ist auf ein Jahr angelegt und hat bereits sechsstellige Förderbeträge akquiriert. Im Forschungskonsortium haben sich acib, IGSF, Med Uni Graz und die Kapfenberger Firma Lactosan auf Initiative des steirischen Human Technology Styria Cluster (HTS) zusammengeschossen. Für die Verwertung der Forschungsergebnisse denkt Projektleiterin Katrin Wallner an eine Unternehmensgründung im ZWT Accelerator, der im Bau befindlichen Erweiterung des ZWT Graz speziell für Start-ups, auch wenn sie derzeit natürlich noch voll auf die Forschungsarbeit konzentriert ist. „Von den Laborflächen bis zur räumlichen Nähe und den Vernetzungen zu möglichen Partnern für Themen wie Qualitätsmanagement und weitere Produktentwicklungen sind die Bedingungen dort ideal.“

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