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Sauberes Wasser für gesunde Ferkel: Forschungsprojekt im ZWT

Im ZWT arbeitet ein Teil des gesamten Projektteams: Michael Koller, Doris Haas, Gernot Zarfel, Herbert Galler, Barbara Korb (v. l.), alle von der Med Uni Graz, Foto: Philipp Schöfmann

„MikroWaSta“ untersucht Tränkewasserqualität mit innovativen Verfahren. Die optimale Versorgung mit hygienisch einwandfreiem Tränkewasser ist ein Schlüssel für die Vitalität junger Ferkel. Das neue Forschungsprojekt nimmt nun die Mikrobiologie in den Stallleitungen genau unter die Lupe. Ziel ist es, durch die Kombination von klassischen Laborverfahren und moderner Metagenomik maßgeschneiderte Hygienekonzepte für die Praxis zu entwickeln.

In den ersten Lebenswochen und nach dem Absetzen von der Muttersau ist die Gesundheit des Magen-Darm-Trakts bei Ferkeln entscheidend für ihre gesamte weitere Entwicklung. Neben einem hochwertigen Futter spielt die Wasserqualität an den Tränken eine zentrale Rolle.
Als Hauptverursacher von Ferkeldurchfällen gelten bestimmte Varianten von Escherichia coli, die im Darm Toxine bilden, sowie Clostridium perfringens. Die Behandlung erfolgt häufig mit Antibiotika über das Tränkewasser. Doch jeder Einsatz fördert Resistenzen – insbesondere bei Wirkstoffen wie Colistin, das in der Humanmedizin als Reserveantibiotikum gilt. Daher besteht ein dringender Bedarf, alternative Ansätze zu entwickeln.

Mikrobiom im Wasser

Ein bislang unterschätzter Faktor ist das Tränkewasser selbst. Obwohl es strengen Qualitätsstandards unterliegt, ist es nicht steril, sondern enthält ein vielfältiges Mikrobiom. Unter bestimmten Bedingungen können sich darin auch unerwünschte oder krankheitserregende Keime etablieren.
Eine Schlüsselrolle spielen dabei Biofilme: mikrobielle Gemeinschaften, die sich an Oberflächen wie Rohrleitungen ansiedeln. Eingebettet in eine schützende Matrix sind die Mikroorganismen darin besonders widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen und Desinfektionsmaßnahmen. Solche Biofilme können als Rückzugsorte für Krankheitserreger dienen.
Hinweise aus Studien legen nahe, dass pathogene Keime in diesen Strukturen persistieren und kontinuierlich ins Wasser abgegeben werden können. Selbst bei guter Wasserqualität könnten so innerhalb von Leitungssystemen stabile Infektionsquellen entstehen, verstärkt durch den ständigen Eintrag von Mikroorganismen über Tiere, Futter und Umwelt.

Hygiene-Institut

Im ZWT setzt das Forschungsprojekt des D&F Institutes für Hygiene, Mikrobiologie, und Umweltmedizin an der Med Uni Graz, gemeinsam mit der HBLFA Raumberg-Gumpenstein und der Veterinärmedizinische Universität Wien als Kooperationspartner, an: Es untersucht, ob Tränkewassersysteme in Ferkelaufzuchtbetrieben zur Verbreitung von Durchfallerregern beitragen. Dazu werden Betriebe mit unterschiedlicher Krankheitsbelastung miteinander verglichen.

Innovative Verfahren

Methodisch kombiniert das Projekt klassische Mikrobiologie mit moderner Metagenomik. Ziel ist es, relevante Bakterien aus Wasser, Biofilm, Kot und Futtermitteln zu identifizieren und gleichzeitig das gesamte Mikrobiom einschließlich Resistenz- und Virulenzgenen zu erfassen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, ob identische Bakterienstämme in verschiedenen Proben auftreten und damit konkrete Infektionswege sichtbar werden.

Die Ergebnisse sollen klären, welche Rolle Biofilme als mögliche Reservoirs für Krankheitserreger spielen und wie sich mikrobielle Gemeinschaften in Leitungssystemen entwickeln. Langfristig können daraus gezielte Hygienemaßnahmen und Managementstrategien abgeleitet werden, um Infektionsketten zu unterbrechen und den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren.

Damit leistet das Projekt, das im Rahmen des Ressortforschungsprogramms über DaFNE mit Mitteln des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft finanziert wird, einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigeren Tierhaltung und zeigt, wie mikrobiologische Forschung praktische Lösungen an der Schnittstelle von Tiergesundheit, Humanmedizin und öffentlicher Gesundheit ermöglichen kann.

Kontakt für Rückfragen: doris.haas@medunigraz.at