Blog

Interview mit Eva Sigl und Andrea Heinzle

Manche Entwicklungen waren alles andere als „easy cheesy“. Dass sie es trotzdem geschafft haben, macht Eva Sigl und Andrea Heinzle stolz. ©Furgler

Die Erforschung und Entwicklung von Diagnosesystemen zur Detektion von Infektionen bildet den Schwerpunkt des ZWT-Mieters Qualizyme. Was das mit Baugefühl zu tun hat, erklären Eva Sigl und Andrea Heinzle im Interview. Und sie sprechen über Meerschweinchen, Bewusstseinsbildung und viele Gründe zum Lachen.

Was treibt Sie an?

Andrea Heinzle: Unser Antrieb war von Beginn an der Kampf gegen den unkontrollierten Einsatz von Antibiotika. Denn wir wissen, bis zum Jahr 2050 werden viele Antibiotika nicht mehr helfen, weil Keime dagegen resistent sind. Aus diesem Grund war unser Ansatz immer Diagnostik und Früherkennung. Erkennt man Entzündungen und Infektionen schon frühzeitig, braucht es den Einsatz von Antibiotika in vielen Fällen nicht mehr, da man schon vorher aktiv werden kann. Und das treibt uns weiterhin an: Wir wollen künftig vermehrt in Richtung Bewusstseinsbildung gehen.

Eva Sigl: Und wir werden verstärkt in Richtung Veterinärbereich arbeiten. Denn hier werden Antibiotika ja in manchen Segmenten viel zu häufig eingesetzt, geradezu verfüttert.

Wie startet denn Ihr Tag? Was machen Sie als erstes, wenn Sie ins Büro kommen?

Sigl: Ich lese meine E-Mails. Nein, Moment, die lese ich eigentlich schon zu Hause.

Heinzle: Stimmt. Im Büro starten wir mit einem Kaffee mit dem Team, bei dem wir uns schon miteinander austauschen.

Was würden Sie als Ihren größten Erfolg bezeichnen?

Heinzle (lacht): Dass wir die Start-up-Phase überlebt haben. Das ist gerade in unserem Bereich eine große Herausforderung. Man muss ein eigenes Labor aufbauen, die Entwicklung dauert extrem lange und ist sehr kostspielig. Da braucht man schon einen langen Atem.

Sigl: Ja, das auch. Aber ebenso, dass wir es neben den Entwicklungen in der Wunddiagnostik, wo wir immer mit großen Partnern zusammengearbeitet haben, trotzdem geschafft haben für die Gelenksdiagnostik zu forschen, zu entwickeln und Patente anzumelden. Das war ein riesiger Aufwand und wir haben es nur mit Unterstützung durch SFG und FFG ganz allein geschafft. Diese Entwicklung war nicht „easy cheesy“. Darauf bin ich stolz.

Was haben Sie sich für 2022 vorgenommen?

Heinzle: Wir haben heuer so viele Ziele und so viel in der Pipeline … In ein paar Monaten können wir mehr darüber sagen.

Sigl: Wir wollen uns auf jeden Fall umstrukturieren und auch in eine neue Richtung gehen – zusätzlich zur Forschung und Entwicklung. Denn wir haben viel Wissen angesammelt und wollen das weitergeben. Bei neuen Mietern am ZWT haben wir gesehen, wie und wo wir diese unterstützen könnten.

Heinzle: Schließlich geht es nicht darum, dass jeder sein Süppchen kocht, sondern schaut, wo er helfen kann. Wir für uns sehen das auf jeden Fall so. Ebenso wie wir es beim Thema Antibiotika als unsere Verantwortung sehen, unseren Beitrag zu leisten und Bewusstseinsbildung zu betreiben.

Stichwort Berufswunsch: Was wollten Sie als Kind werden?

Sigl: Tierärztin. Mit 5 wollte ich schon in den Urwald gehen und die Welt retten. Deshalb bin ich wohl Biologin geworden.

Heinzle: Naturwissenschaften haben mich schon immer interessiert. Ich war neugierig, wollte alles wissen, habe alles zerlegt und Stofftiere operiert. Dass es genau Chemie wird, habe ich aber erst am Tag der Inskription auf der Zugfahrt dorthin entscheiden. Es hätte auch Pharmazie werden können, aber im Nachhinein gesehen, lag mein Bauchgefühl richtig. Ich würde es wieder wählen.

Hören Sie oft aufs Bauchgefühl?

Sigl: Ja immer. Damals auf der Uni sind wir belächelt worden, weil unser Antrieb war, den Menschen zu helfen. Man fand uns zu idealistisch. Aber wir haben uns immer auf das Bauchgefühl verlassen und mit Qualizyme genau das umgesetzt, was wir wollten.

Heinzle: Wir entscheiden nicht nur aufgrund von Zahlen. Egal ob Strategie oder Personalentscheidungen, wir handeln oft intuitiv und sind damit gut gefahren.

Was schätzen Sie an Ihrem Team am meisten?

Sigl: Dass alle selbstständig und verlässlich arbeiten, denn wir sind ja nicht 40 Stunden pro Woche im Büro. Wir sind viel unterwegs, haben auch als unsere Kinder kleiner waren, immer wieder viel von zu Hause aus gearbeitet.

Heinzle: Das Team ist wahnsinnig wertvoll für uns. Viele sind den Weg schon von der TU Graz weg mit uns mitgegangen.

Wie erholen Sie sich denn vom Job?

Sigl: Nach vielen Pausen reite ich wieder regelmäßig. Ich bin viel in der Natur, genieße die Aktivitäten mit meinen vier Kindern. Wir haben Hühner, Zwergziegen, Katzen und eine kleine Meerschweinchen-Zucht.

Heinzle: Ich bin auch gerne jede freie Sekunde draußen, gerne am Berg und viel am Fußballplatz, weil meine drei Kinder alle spielen. Für mich allein genieße ich das Garteln.

Was ist Ihr persönlicher Beitrag zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit?

Heinzle: Bei uns gibt es nur saisonales Gemüse, ich kaufe Bio-Qualität, vor allem beim Fleisch ist mir das sehr wichtig. Wir verwenden keine Plastiksackerln, kaufen regional ein, bauen Gemüse an.

Sigl: Genau und zusätzlich haben wir bereits 2017 eine echte Nachhaltigkeitsanalyse in unserem Unternehmen gestartet, obwohl das in der Forschung schwierig ist. Aber es gibt Möglichkeiten.

Heinzle: Bei Qualizyme zahlen wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Ökoprämie – alle kommen mit dem Rad.

Rein hypothetisch – mit wem würden Sie gerne bei einem Kaffee plaudern?

Sigl: Mit Martin Luther King.

Heinzle: Mit Desmond Tutu, denn es ist spannend, wie er die Gemeinschaft in den Mittelpunkt gestellt und gesagt hat, wie sich die Gesellschaft verändert, wenn jeder seinen Beitrag leistet.

Was bringt Sie zum Lachen?

Sigl: Vieles. Wir lachen sowieso viel. Die Kinder bringen mich auf jeden Fall zum Lachen.

Heinzle: Ja, und in der Arbeit ist die Stimmung auch gut – da gibt es aus Gesprächen heraus genug Anlässe zum Lachen.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?

Heinzle: Romane mag ich nicht, Sachbücher sind mir lieber. „Komisch, alles chemisch!“ von Mai Thi Nguyen-Kim habe ich zuletzt gelesen.

Sigl: „Mut“ von Osho hat mir gut gefallen. Das verändert die Einstellung zum Leben.

Wo wollen Sie unbedingt mal hin?

Sigl: Auf den Kilimandscharo. Denn vor 18 Jahren hatte ich schon einen Flug gebucht und musste ihn aus gesundheitlichen Gründen stornieren. Das will ich nun bald nachholen.

Heinzle: Ich will immer auf irgendeinen Berggipfel. Wir suchen uns mit den Kindern jedes Jahr einen aus – voriges Jahr waren wir zum Beispiel in Vorarlberg auf dem Piz Buin, mit Gletscher-Überquerung, Klettern und so weiter.

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Durch das Nutzen dieser Website sind Sie mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen