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Interview mit Claudia Rinnhofer

Claudia Rinnofner baut aktuell die myBIOS-Pichia-Plattform auf, um sie für Antigene und für die Produktion von Enzymen, Peptiden, Biopolymeren oder Glykoproteinen in Kundenprojekten einzusetzen. (Foto: ©Lunghammer)

Mit myBIOS hat Claudia Rinnofner am ZWT ihre Idee in die Realität umgesetzt und ein Unternehmen gegründet – und das alles auf der Basis von Pichia pastoris. Was sich dahinter verbirgt, wer sie zum Lachen bringt und mit welchen starken Frauen sie gerne mal auf einen Kaffee gehen würde, verrät sie im Interview.

Woran arbeiten Sie gerade?
Claudia Rinnofner: Unser Hauptthema ist es ja, Proteine auf der Basis von Hefe herzustellen. Für diese Produktion verwenden wir vor allem die Hefe Pichia pastoris. Und wir legen dabei einen Schwerpunkt auf Antigene: Unsere rekombinanten SARS-CoV-2-Antigene finden zum Beispiel Anwendung in der Forschung und Diagnostik. Als solches testen wir diese gerade in Antikörpertests. Wir streben hier einen Antikörpertest an, der ausschließlich aus mit Pichia hergestellten Komponenten besteht. Aktuell bauen wir auch eine vielseitig einsetzbare myBIOS-Pichia-Plattform auf, diese setzen wir neben Antigenen auch für die Produktion von Enzymen, Peptiden, Biopolymeren oder Glykoproteinen in Kundenprojekten ein.

Was treibt Sie an?
Rinnofner: Mit der Proteinproduktion beschäftige ich mich schon sehr lange, eigentlich seit meinem Master-Studium an der TU Graz (IMBT). Jetzt ist es mein großer Antrieb, dieses aufgebaute Know-how in meiner eigenen Firma einzusetzen. Das tun wir schon, aber mich lässt der Gedanke nicht los, wie wir die Entwicklungen noch weiterführen können – dafür haben wir die myBIOS-Plattform geschaffen. Ich mag es einfach knifflige Probleme zu lösen – also zum Beispiel Antigene herzustellen, die noch kein anderer gemacht hat. Der ganze Bereich der Proteine ist ja riesig. Man denke nur in Richtung „food and feed“. In Amerika werden Pichia-Proteine schon für Burger eingesetzt, bei uns noch nicht. Wo kann man etwas lösen, etwas verbessern – da bin ich dabei!

Was machen Sie morgens als erstes, wenn Sie ins Büro kommen?
Rinnofner: (Lacht) Kaffee trinken.

Was sehen Sie als Ihren größten Erfolg?
Rinnofner: Beruflich ist es, dass ich die Idee von meiner Firma in die Realität umgesetzt habe und dass man merkt, wie das Unternehmen wächst. Das macht mir Spaß, der Weg ist das Ziel. Es ist auf jeden Fall ein Erfolg, dass ich meine Wünsche umsetzen und die Firma entwickeln kann, aber auch, dass ich das alles mit meiner Familie vereinbaren kann. Das ist mir ganz wichtig – und es ist definitiv nicht immer einfach.

Was haben Sie sich für 2022 vorgenommen?
Rinnofner: Wir sind aktuell zu viert in der Firma, ein kleines Team. Aber ich möchte die Plattform fertigstellen, myBIOS in eine sicherere Zukunft führen und das Unternehmen so aufstellen, dass unser Team eine sichere Auftragslage hat.

Sie haben als Kind wohl nicht gedacht, dass für Sie einmal die Hefe im Mittelpunkt steht. Was wollten Sie als Kind werden?
Rinnofner: Tierärztin. Aber ich habe dann einmal ein Praktikum bei einem Landtierarzt gemacht und meinen Wunsch angepasst. Weil mir ein Lehrer zu einem „schweren“ Studium geraten hat, habe ich mich im Endeffekt für technische Chemie entschieden. Später ging ich in Richtung Biochemie und dann habe ich meine Leidenschaft gefunden – Pichia pastoris und die Proteinherstellung.

Was schätzen Sie an Ihrem Team am meisten?
Rinnofner: Es entwickelt sich wirklich toll und alle sind so motiviert. Ich dachte ja immer, dass ich das Team motivieren muss, aber es ist umgekehrt und sie sorgen für die Motivation. Unsere Bereiche sind klar aufgeteilt, ich mache das Business-Development, das Team arbeitet im Labor.

Wie erholen Sie sich vom Job? Was machen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten?
Rinnofner: Am liebsten verbringe ich die Zeit natürlich mit meiner Familie, ich habe einen Sohn und eine Tochter – da schaltet man schnell ab. Zu Ostern waren wir zum Beispiel mit dem Wohnmobil in Italien campen und auch der Hund war mit.

Was ist Ihr persönlicher Beitrag zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit?
Rinnofner: Ich habe immer das Gefühl, wir sollten mehr tun. Natürlich versuchen wir bewusst saisonal einzukaufen, Müll zu trennen, keine Lebensmittel zu verschwenden und den Kindern diese Werte auch zu vermitteln. Als Familie mit zwei Kindern und auch beruflich fällt uns manches nicht immer leicht, wir erledigen einige Wege mit dem Auto – aber wir erinnern uns immer wieder gegenseitig daran und versuchen zum Beispiel öfter zu Fuß zu gehen. Wir schauen laufend, was wir verbessern können.

Mit wem würden Sie gerne einmal einen Kaffee trinken?
Rinnofner: Mit Angela Merkel oder Ursula von der Leyen, denn sie haben die Politik in Europa geprägt, sind einflussreiche Frauen, die sicher viel zu erzählen haben. Das wäre bestimmt spannend.

Was bringt Sie zum Lachen?
Rinnofner: Mein Mann und meine Kinder. Und natürlich auch unsere Tiere.

Was lesen Sie gerne?
Rinnofner: Krimis. Die sind spannend, einfach eine perfekte Ablenkung. Da tauche ich richtig ein – derzeit sind es die Normandie-Krimis von Benjamin Cors.

Und wo wollen Sie unbedingt mal hin?
Rinnofner: Ich möchte gerne einmal in den hohen Norden, um die Polarlichter zu beobachten. In den nächsten 5 bis 10 Jahren will ich das auf jeden Fall umsetzen.

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